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BORGOS PIEPER: Corporate Book

    Intuition und Durchdringung

    Architecture | Vol. 1

    Bauen als Antwort. Als Antwort auf die Geschichte eines Ortes, auf die Idee einer Unternehmung, auf die Bedürfnisse von Menschen. Hautnah. Unvermittelt. Direkt.

    Etienne Borgos und Nadine Pieper nähern sich ihren Aufgaben im Doppelschlag: von außen und innen, deduktiv und induktiv gleichzeitig. Das Detail fügt den Blick fürs Gesamte und der große Wurf spiegelt sich präzise in der Ausführung. Materialien werden bei aller Begeisterung für Kombinationen klar zueinander gestellt, das Licht präzise inszeniert. Im Ergebnis: einfach. Auf dem Weg: komplex.

    Wie kann für ein solches, immer noch sehr junges Architektur- und Designbüro das erste Buch über ihre Arbeiten aussehen? Wie findet sich darin ihre Begeisterung für die Ideen des Bauhauses wie der Ulmer Schule wieder? Wie werden die Bezüge zu Otl Aicher und die gemeinsame Geschichte bei Foster & Partner untergründig mit vermittelt? Wie kann es Bestand haben, fundiert sein und dabei zugleich unaufdringlich wie aufgeschlossen?

    Schon der Titel »BORGOS PIEPER Architecture | Vol. 1« und das Bild vom Flur des Bürogebäudes der LTB Foundation in London auf dem Cover machen deutlich, dass die Reduktion auf das Wesentliche, dieser Rams’sche Satz »Gutes Design ist so wenig Design wie möglich« inhaltliche wie gestalterische Grundlage sind. Der Mut, dabei die Zentralperspektive zu verlassen, der Linienführung ein Schnippchen zu schlagen, findet sich auch in der Materialwahl wieder: kein Hochglanz, sondern im Offset bedrucktes Feinleinen, mit dem Raum wie Buch sinnlich erfahrbar werden. Mit der im Schnitt offen sichtbaren Graupappe, der spürbaren Verbindung der Materialien und der offenen Bindung legen wir das Innere frei, zeigen transparent Machart und Mechanik. Und geben dem Buch dabei eine Eindeutigkeit als Objekt, als funktionierende Gestaltung des Raumes im Raum.

    Im Inneren setzt sich das fort: den Dingen ihren Raum zu geben, bei allem Mut zur Abwechslung, zum kontrollierten Bruch Text und Bild in ihrer jeweiligen Funktion zu verorten. Nicht von ungefähr heißt die von Wilhelm Pischner in den 30er Jahren geschaffene Schrift dieses Buches »Neuzeit«, ist in ihrer Zeitlosigkeit unendlich modern und wegweisend: Ja, Form ist Funktion in diesem Werk, lächelnd. Oder wie sagen es Etienne Borgos und Nadine Pieper selbst: »Wir messen den Wert unserer Arbeit am Vergnügen, das mit unseren Gebäuden möglich wird.«