Wo kämen wir hin, wenn ... wir nicht abschweifen würden, sondern uns ausschließlich in den eingetretenen Pfaden linearer Gedanken und Routinen bewegen würden? Gabriele Werners Credo des Spielerischen, mit dem sie mögliche Wege zur Kreativität skizziert, beschreibt zugleich das Konzept des Salon-Abends »PORT«: Ein Experiment über das Gemeinsame, ein Versuchslabor der Begegnung vieler Unterschiede.

Wo kämen wir hin, ... wären wir nicht neugierig? Wer sich begeistert, ist kreativ. Eigene Perspektiven, Verhalten und Erinnerungen sind für Prof. Carl Frech der Treibstoff, um stereotyper »Gewohnheitsgravitation« den Garaus zu machen: Raus aus altersbedingt schwindender Lernfähigkeit, rein in neuen Schwung. Content ohne Inhalt? Ein Paradoxon, denn gute Geschichten sind gute Geschichten und immer gern gehört, ob am steinzeitlichen Lagerfeuer oder am Monitor der Moderne. Ständige Vernetzung mit allem und jedem, Neugier, Offenheit und Austausch von Informationen und Inhalten schaffen ein »Terrarium der Möglichkeiten« im Sozialen Netz. In diesem Versuchslabor einer komplexen Datenaura zählen dennoch nicht die Abstraktionen, sondern vor allem die Menschen. »Permaaktiv« nennt Frech das augenzwinkernd frech: Dank Visionskraft und Spieltrieb von Menschen wird Zukunft möglich. Innovation begegnet Tradition, Neugier fordert Denkroutinen heraus, Datenvisualisierung ermöglicht ein neues, tieferes Verständnis komplexer Zusammenhänge. Relevant muss diese neue Kommunikation sein, fordert Carl Frech. Resonant, intelligent widerhallend in Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen der Kunden. Und vor allem radikal: In Visionskraft und Fehlerkultur ebenso wie in notwendiger Besinnung auf Nachdenklichkeit und Werte. »Nicht alles, was geht, muss man machen.«

Wo kämen wir hin, ...würden wir veränderten Lesegewohnheiten im Netz nicht Rechnung tragen? Mit kurzen, verständlichen Sätzen, die der langsameren Lesegeschwindigkeit des online-Lesens begegnet. Mit smart in knackige Formulierungen verpackten Informationen. Lars Thielecke, CD Text von KOCHAN & PARTNER schwärmt in seinem mitreißenden Plädoyer gegen die Langeweile: Von Beef und knallenden Gulaschrezepten, über Fragestellungen wie im Krimi; und von den berühmten sieben Sekunden, um aus einem Thema einen Ohrwurm zu machen. Furioser Sprachwitz trifft präzisen Text, augenzwinkernd tanzt Erzähllust Tango mit Content. Das applaudierende Publikum bestätigt: Volltreffer, versenkt.

Wo kämen wir hin, ... wenn nüchterne Finanzierungsaufrufe zum fesselnden Storytelling werden? Das ist Crowdfunding, kenntnisreich und spannend erklärt von Linette Heimrich. Eng verbunden mit ihrem Initiator, werden Ideen, Projekte oder Produkte zu einem Gemeinschaftserlebnis. Aus Interesse wird Kommunikation, aus Begeisterung handfeste Unterstützung. Vernetzung und Verbindung vieler unterschiedlicher Menschen, Vermarktungsstrategien und Finanzierung. Crowdfunding ganz anders betrachtet, als Prozess und faszinierende gemeinsame Entwicklung eines sozialen Motors für Innovation und »möglich machen«.

Wo kämen wir hin, ... wären wir nicht in jeder Lebenslage mobil? Mediennutzung verändert sich, löst sich vor allem immer mehr von stationären Plattformen und wird mit Apps, Tablets und Smartphones mobil. Stefan Marshall beschreibt das Wechselspiel von Menschen und Institutionen, die Eingebundenheit des Publikums, aus der neue Wege der Informationsvermittlung entstehen. Wie viel Dynamik und Potenzial in der Verbindung von Digitalität und körperlicher Erfahrbarkeit stecken, zeigt die Sandkiste des Geoinformatikers und Museumsexperten Sergey Mukhametov. Was bei xBox und Co. noch Anpassung des Menschen an Systeme voraussetzt, denkt Mukhametov mit seinem Forschungsprojekt in umgekehrter Richtung: Menschen als höchst unterschiedliche Individuen, denen sich die Interfaces anpassen müssen. Intelligente Kamerasysteme erkennen natürliche Bewegungsmuster von Menschen, Werkzeuge wie Touchscreens, Trackpads und Maus werden so weitgehend überflüssig. Wie Dirigenten der Informationen und Daten, steuern Betrachter und ihre Gesten komplette Präsentationen und Projektionen. Der Dialog zwischen Mensch und Maschine verändert Kommunikation, beschleunigt Informationsvermittlung.

»Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.« schrieb der Schweizer Theologe Kurt Marti.

In diesem Sinne freuen sich die Organisatoren von KOCHAN & PARTNER auf die Fortsetzung der erfolgreichen PORT-Reihe: Gemeinsam schauen, wohin wir kommen, wenn wir gehen.